Meditationstechnik – Herzensgebet

Ich habe jahrelang verschiedene Meditationsversuche ohne Lehrer bzw. ohne Gemeinschaft unternommen. Mein Wissen bezog ich aus Büchern. Wie bereits in meinem Beitrag „mein Weg zur Meditation“ erwähnt, konnte ich keine Regelmässigkeit in meinem Übungsweg erreichen. Trotzdem waren all diese Versuche wichtig und waren Wegbereiter für meinen heutigen Weg. Deshalb möchte ich die Technik des Herzensgebetes für alle, die erste Versuche ohne Lehrer und Gemeinschaft probieren möchten, kurz beschreiben.

Woher kommt das Herzensgebet?

Ausgehend von dem Jesuswort „betet ohne Unterlass“ haben sich im 3. und 4. Jahrhundert mönchische Gemeinschaften gebildet (Wüstenväter und Wüstenmütter), die durch ständiges Wiederholen eines kurzen Satzes oder Wortes aus der Schrift versucht haben, diesen Satz oder dieses Wort in ihrem Herzinnersten zu erfahren. Das Herzensgebet ist also ein mantrisches Gebet, das letztlich zu einem Gebet der Stille und des Schweigens wird.

In welcher körperlichen Haltung wird das Gebet geübt?

Angefangen von einem Stuhl, über ein Meditationsbänkchen oder Meditationskissen, das den Fersensitz unterstützt, bis zum halben oder vollen Lotussitz kann jede Haltung eingenommen werden, die es ermöglicht etwa eine halbe Stunde mit geradem Rücken bequem zu sitzen. Wichtig ist das Loslassen in den Schultern und das Aufrichten des Rückens. In der nebenstehenden Abbildung wird der Fersensitz mit Meditationsbänkchen gezeigt.

Innere Haltung beim Herzensgebet

Vor Beginn der Übung verneigen wir uns vor der göttlichen Präsenz. Ich beginne meine Meditation mit den Worten: Im Namen des Vaters, dem Schöpfer von Allem, des Sohnes und all seiner Inkarnationen und des Geistes der Liebe, die uns mit ihm und untereinander verbindet. Wir sind ganz gegenwärtig, beobachten unseren Atem, richten unsere Aufmerksamkeit auf  unserere Herzmitte (der Raum zwischen Wirbelsäule und oberem Brustbein) und lassen aus dieser Herzensmitte unser Wort aufsteigen Ruhe und Frieden breiten sich aus, der uns ständig begleitende Gedankenfluss beruhigt sich.

Welche Herzensworte können wir wählen?

Zentrum des Herzensgebetes ist Jesus Christus, eine liebevolle Verbindung zu ihm, ist Voraussetzung für diese Form des Herzensgebetes. Ob und zu welcher christlichen Kirche man sich zugehörig fühlt, ist nicht von Bedeutung. Auch viele den Kirchen Fernstehende haben die Sehnsucht nach Gott und das Üben des Herzensgebetes könnte ein Weg sein, dieses Sehnen zu kanalisieren.

Die folgenden Worte sind Vorschläge. Zu Beginn des Übungsweges wird man verschiedene Worte ausprobieren, bis man letztlich bei dem bleibt, das einen im Innersten berührt.

Herr, Jesus Christus, erbarme dich meiner;
Jesus Christus;
Du in mir, ich in dir;
Jesus liebt mich.

Ich selbst habe Jesus Christus gewählt und verbinde mein Wort mit dem Atem. Je – einatmen – sus – ausatmen, Chri – einatmen – stus – ausatmen. Wenn man das Wort mit dem Atem verbindet, ist es ganz wichtig, dass man immer in Ruhe bleibt und nie in Atemnot gerät.  Immer wieder steigen natürlich während der Meditation Gedanken auf, dies sollte einen nicht stören, man registriert die Gedanken, bleibt aber nicht an ihnen haften, sondern lässt sie gehen und kehrt zu seinem Wort zurück. Wir beenden unsere Übung nach ca. 25 Minuten mit einer neuerlichen Verneigung. Von Vorteil ist auch, wenn wir ein bestimmtes Ritual einhalten. Zum Beispiel: Wahl eines schönen Platzes, eine Kerze anzünden, eine Klangschale zu Beginn und Ende der Meditation benützen .

Übung macht den Meister

Regelmässiges Üben ist Voraussetzung um Fortschritte auf dem spirituellen Weg zu machen. Achtsamkeit im Alltag und öfteres Innehalten im Tagesablauf, um sich mit dem Göttlichen über unser gewähltes Wort zu verbinden, werden uns Schritt um Schritt das göttliche Geheimnis mehr erfahren lassen und den göttlichen Funken in uns mehr und mehr zum Leuchten bringen.

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